Juni ist PRIDE MONTH!

Ohje, ich bin die schlimmste Bloggerin des Universums (okay, dezent dramatisiert ausgedrückt, aber schon schlimm – der letzte Post kam im Januar). Vielleicht schaffe ich ja wieder etwas mehr. Ich habe mir sagen lassen, es gibt Fans. Zwar wenige, aber immerhin. Teilt gerne meinen Blog mit anderen, denn wenn mehr Leute lesen, ist der Anreiz zum Schreiben zugegeben größer. 😛 Achja, die Haare sind seit März wieder ab und weiß sind sie auch – hallo Oma, ich weiß, du liebst es. 😀

Zum heutigen Thema:

Es ist Juni – und damit Pride Month. Für mich ist das ein bisschen aufregend, da ich den Pride Month zum ersten Mal als mich als queer identifizierende Person erlebe. Aber Moment, Moment – Pride, Queer; was soll das eigentlich sein?

Ich kann mir gut vorstellen, dass insbesondere diese englischen, eingedeutschten Begriffe bei manchen für Verwirrung und vielleicht auch Überforderung sorgen können. Aber bitte bleibt bei mir – um dazuzulernen. Also ganz von vorne. Der Pride Month – lässt sich ungefähr übersetzen mit „Monat des Stolzes“ – ist DER zentrale Monat für queere Menschen und die LGBTQIA+ Gemeinschaft (Erklärung folgt, versprochen!) im Kampf für Gleichberechtigung und Toleranz und hat seinen historischen Ursprung in Aufständen queerer Menschen in New York im Jahr 1969.

Was ist damals passiert? Bevor ich das erkläre, muss ich doch nochmal kurz Begriffe erklären. Zum einen den Begriff „queer“. Hier zitiere ich eine Definition zusammengeschrieben von Tupoka Ogette:
 „Queer ist eine Selbstbezeichnung für Menschen mit sexuellen Orientierungen und/oder geschlechtlichen Identitäten außerhalb heteronormativer Vorstellungen. [Anm.: Heteronormative Vorstellungen sind die, dass Männer immer Frauen lieben und umgekehrt, dass es nur zwei Geschlechter gibt und dass diese bei der Geburt festgestellt und fest zugeschrieben werden können. Das ist natürlich ein soziales Konstrukt, das sehr toxisch ist, aber dazu später mehr]. Der Begriff [Queer] stammt aus dem Englischen und hatte im ursprünglichen Sinne einen abwertenden Charakter. Im Zuge der Stonewall-Proteste [auf die ich gleich eingehen werde], der AIDS-Bewegungen und weiteren emanzipatorischen Bestrebungen, wurde queer als Selbstbezeichnung immer mehr reclaimed [= zurückerfordert / -verlangt]. Als Selbstbezeichnung kann queer Ausdruck von Stolz, Zusammengehörigkeit und Selbstermächtigungsprozessen sein.“

Das also zum Begriff queer. Ein weiterer wichtiger Überbegriff für Menschen, die nicht cis-hetero sind (cis = sich mit dem ihnen bei ihrer Geburt zugewiesenen Geschlecht identifizieren; hetero = das vermeintlich „andere“ Geschlecht bzw. andere Geschlechter, die nicht das eigene sind, sexuell und romantisch attraktiv finden), ist die Abkürzung LGBTQIA+. Ohje, ich weiß, ganz schön kompliziert – aber ich kann sie inzwischen auswendig. 😀 Nicht weniger kompliziert: Die Abkürzung ist Englisch. Ohje, ohje.

  • L = lesbian – also lesbisch
  • G = gay – also schwul
  • B = bi – also bisexuell und biromantisch (man findet das eigene und andere Geschlechter romantisch und/oder sexuell anziehend)
  • T = trans* – also transgender (heißt, man identifiziert sich mit einem anderen Geschlecht als das bei der Geburt zugewiesene – darunter fallen nicht nur trans Frauen und trans Männer, sondern beispielsweise auch nicht-binäre Personen)
  • Q = queer (natürlich als Überbegriff, aber auch z.B. für genderqueere Menschen, die sich weder als weiblich, noch als männlich identifizieren)
  • I = inter / intersex (intersex heißt, dass das Geschlecht bei der Geburt nicht klar zugewiesen werden kann)
  • A = ace – das steht für das a_sexuelle und das a_romantische Spektrum (Menschen auf dem a_sexuellen / a_romantischen Spektrum verspüren wenig bis keine sexuelle / romantische Anziehung (schließt sich aber nicht gegenseitig aus!)) sowie für agender (agender Menschen identifizieren sich mit gar keinem Geschlecht)
  • + = alle weiteren Identitäten des queeren und nicht-cis-heteronormativen Spektrums

Uff. Ganz schön viele Vokabeln, ich weiß. Aber wichtig, um zu verstehen, wie divers Geschlechtsidentitäten und sexuelle und romantische Orientierungen sind.

Zurück zum Pride Month – dem Monat, in dem queere Menschen und Menschen der LGBTQIA+ Gemeinschaft für ihre Rechte kämpfen, zurückgehend auf die Stonewall Proteste 1969. Queere Menschen gab es schon immer und wird es auch immer geben – das vorweg. Und schon immer schafften sich queere Menschen safe spaces, also sichere Orte, an denen sie sie selbst sein konnten und können ohne Angst vor Gewalt und Diskriminierung. Einer dieser Orte war das Stonewall Inn in New York City, eine Bar in der Christopher Street, Teil des New Yorker Schwulenviertels. Das Stonewall Inn war also ein Rückzugsort für die LGBTQIA+ Gemeinschaft, für Menschen, die gesellschaftlich ausgegrenzt wurden. In der Nacht vom 27. Auf den 28. Juni 1969 fand dort eine Polizei Razzia statt – das war an sich wohl nicht  ungewöhnlich, aber es entstand ein Aufstand. Wie das genau zustande kam, ist unklar. Auf jeden Fall entwickelte sich die Razzia zu einer Schlägerei, wovon Kund*innen umliegender Bars Wind bekamen und kamen, um die Menschen in der Bar gegen die Polizei zu unterstützen.

Letztlich protestierten rund 2000 Menschen für ihre Rechte als queere Menschen. Angeführt wurden die Proteste von BIPoC (Black, Indigenous and People of Colour) – also von Latinx und Schwarzen Menschen, die immer schon besonders unterdrückt und benachteiligt waren, gerade als queere Menschen – v.a. da sie neben Queerfeindlichkeit auch von Rassismus betroffen waren und sind. Die Lage beruhigte sich, aber die Protestierenden kehrten in der nächsten Nacht und auch am dritten Tag zurück – aus Wut gegen die Gewalt, Diskriminierung und Ausgrenzung, die sie so lange erfahren mussten. Im Jahr darauf fand zum ersten Mal die „Pride“ im Juni statt – und die Tradition des Christopher Street Day (kurz CSD) wurde geschaffen. Seitdem demonstriert die LGBTQIA+ Gemeinschaft jedes Jahr im Juni für ihre Rechte und gegen Diskriminierung – bis heute und leider wird das voraussichtlich noch eine ganze Weile notwendig sein.

Vielleicht ist euch die Abkürzung „CSD“ ja schonmal begegnet – jetzt wisst ihr, wofür sie steht: Christopher Street Day, in Gedenken an die Stonewall Proteste. Bei den CSDs, auch bekannt als Pride Marches, die auf der ganzen Welt und auch in Städten in ganz Deutschland stattfinden, handelt es sich NICHT um vermeintlich karneval-artige Party-Umzüge, sondern um bunte und rebellische Proteste der LGBTQIA+ Gemeinschaft. Warum wir diese Proteste auch heute noch unbedingt brauchen – und das nicht nur im Juni, sondern die ganze Zeit – dazu schreibe ich vielleicht in den nächsten Wochen noch mehr.

Und ich? Ich bin auch queer. Eine queere cis-Frau. Ich bin noch dabei, herauszufinden, was das für mich genau bedeutet, vor allem da ich 23 Jahre lang dachte, ich wäre hetero. Es bedeutet auf jeden Fall, dass ich mich in Menschen verschiedener Geschlechter verlieben kann, und dass Sex für mich nicht so eine zentrale Rolle im Leben spielt. Aber hej, das ist auch alles fluide und veränderbar und nichts ist in Stein gemeißelt.  Über eine weitere queere Person habe ich übrigens hier schonmal geschrieben.

(Fast) alle CSDs / Pride Demonstrationen in Deutschland sind hier gelistet: https://www.csd-termine.de/deutschland/
Empfehlenswerte Doku „Stonewall Forever“ auf Englisch: https://www.youtube.com/watch?v=GjRv7dJTync&t=686s

Quellen:

Ogette, Tupoka – Instagram @tupoka.o
Seidl, Chiara – Instagram @chiaraseidl
Wikipedia: Stonewall
Doku: “Stonewall Forever”

2 Gedanken zu “Juni ist PRIDE MONTH!

  1. mrsshahbandar schreibt:

    Ich werde nie verstehen, warum nicht jeder so sein kann, wie er sie es eben ist.
    Jeder Mensch soll nach seiner Facon leben. Dass diskriminiert wird, finde ich unter aller Sau.
    Egal ob bei der sexuellen Ausrichtung, Hautfarbe, Religion, dick oder dünn…ich finde dieses „Du Du Du“ zum Kotzen.
    Mein Wahlspruch seit der Jugend lautet: „I am what I am“ und so werde ich es mein Leben lang halten.
    Vielen Dank für deinen Beitrag und die Erklärungen. Ich bin nun wieder etwas schlauer. 😀
    Liebe Grüße

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